Organisation der Deutschen in Westböhmen–Gründungsversammlung der Ortsgruppe EGER am 10.12.1991 in Eger:

Mit Unterstützung des Bundes der Egerländer Gmoi´n e. V. vor allem der Egerländer Gmoi Marktredwitz – wurde in der vergangenen Woche im Theatercafé von Eger (Cheb) ein neuer Ortsverband des Bundes der Deutschen in der CSFR gegründet. Bereits im November 1991 hatten sich nach entsprechender Einladung 52 Deutsche im früheren Dominikaner-Kloster in der Steingass zu einer ersten Vorbesprechung getroffen, um die Frage der Gründung eines Ortsverbandes des Bundes der Deutschen in Eger zu besprechen. Etwa 450 Deutsche leben nach der letzten Volkszählung vom Februar dieses Jahres noch in Eger. Mit wenigen Ausnahmen hatten diese Deutsche oder deutschstämmigen CSFR-Bürger wenig Kontakt zu einander. Nach dem im Jahre 1990 verabschiedeten neuen Vereinsgesetz in der CSFR und dem in Aussicht stehenden deutsch-tschechischen Nachbarschaftsvertrag mit dem Schutz der Minderheiten bot sich jetzt die Möglichkeit und Gelegenheit, eine solche Vereinigung auch in Eger zu gründen. Wohl gibt es seit dem Jahre 1968 den „Deutschen-Kulturverband“ in der CSSR, doch dieser Verband war, der Staatsdoktrin folgend, sozialistisch-kommunistisch ausgerichtet. Doch vielen Deutschen wiederstrebte teilweise die dort verbreitete Denkensart.

Zu dieser zweiten Versammlung in Eger (Cheb) waren wieder über 60 Bürger der CSFR der Einladung eines Dreiergremiums in das „Theater-Cafe“ – in der Nähe des Stadttheaters Eger gefolgt, um zunächst eine Vorstandschaft zu wählen und anschließend eine kleine „Weihnachtsfeier“ durchzuführen. Frau Marie Lippert begrüßte die große Zahl der Teilnehmer an dieser Zusammenkunft und freute sich besonders, daß aus Marktredwitz Gmoivüarstäiha und SL – Obmann Horst Süßner mit weiteren 8 Landsleuten angereist war. Jiri Rak erläuterte dann in einem Sechspunkte-Programm die Arbeit dieser Organisation, wobei es vorallem darum geht, alle deutschstämmigen Bürger anzusprechen, sie zur Mitarbeit aufzufordern und entsprechende Maßnahmen im Bereich von Kultur und Sozialem in die Wege zu leiten.

Bei den durchgeführten Wahlen wurde nach demokratischen Regeln eine Vorstandschaft gewählt, die aus Jiri Rak, als 1. Vorsitzendem, Hans Meindlschmied (Stellvertreter), Elvira Dolezal (Kassenverwalterin), Marie Lippert (Schriftführerin), Ilse Juzl (Kulturwartin), Herta Richter (Sozialbetreuerin), sowie Manfred Hüttl und Winfried Helgert als Kassenprüfer bestehen. Die gewählte Vorstandschaft hat ein Durchschnittsalter von 52 Jahren.

Bei der sich anschließenden Aussprache über die Arbeit dieser Gruppe wurde vorallem darum gebeten, nach Möglichkeiten alle Deutschen und deutschstämmigen aufzufordern, ihre Mitarbeit zu erklären.

Herr Paul Matys, als Vorsitzender der Vereinigung der Deutschen in Westböhmen, aus Pilsen bot genau wie Horst Süßner aus Marktredwitz die weitere Unterstützung des neu gegründeten Ortsverbandes an.

Die Frage der Schaffung von geeigneten Versammlungräumlichkeiten für diese Gruppierung wird mit Bestimmtheit durch den Bau des „Deutschen Institutes“ in Eger (Cheb), das künftig „Balthasar-Neumann-Haus“ heißen soll, gelöst werden.

Balthasar-Neumann war ja der bekannte Baumeister der in Eger geboren wurde und als Stipendist des Egerer Magistrates die hohe Schule der „Baukunst“ erlernen durfte.

Horst Süßner aus Marktredwitz kündigte an, daß man im Jahre 1992 eine größere Kulturveranstaltung unter Beteiligung aller in Westböhmen arbeitenden Gruppen in Eger oder an anderer geeigneten Stelle durchführen werde.

Bei der anschließenden Weihnachtsfeier las Marie Lippert aus alten Weihnachtsbüchern Geschichten vor und gemeinsam wurden auch Weihnachtslieder gesungen, soweit die Texte noch bekannt waren.

Für das leibliche Wohl hatten die Frauen durch Selbstgebackenes aus dem Egerland, wie Apfelstrudel, Zwetschgendatschi, Zuckergebäck (Nußhörchen, Vanillekipferl, Streuplätzchen und Golatschen) gesorgt.

Die Marktredwitzer Delegation wurde nach mehrstündigem Aufenthalt mit dem Wunsch verabschiedet, auch künftig eine enge Zusammenarbeit zu pflegen.

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